Im Januar 1990 plant Kempowski Ausflüge in seine alte, nun wieder erreichbare Heimat, während Grass im Januar darlegt, wie er sich ins Rad der Geschichte zu werfen gedenkt, überzeugt, ohne sein Gemahne werde alles ein schlimmes Ende nehmen, Großdeutschland und Weltuntergang inklusive.
„Will versuchen, in der Frankfurter Rede das angebliche Recht auf deutsche Einheit im Sinne von wieder-vereinigter Staatlichkeit an Auschwitz scheitern zu lassen“, liest Grass nun den Göttingern seine staatsmännischen Größenwahnvorstellungen vom 2. Januar 1990 vor. Niemand im Saal lacht darüber, nein, das ist ernst gemeint und wird ernst genommen. Gelacht wird bei Wörtern wie „Literaturquartett“, „Kotzen“, „Heidepark“ oder „Schirrmacher“.
Bisschen blättern im Kempowski: „An Grass trauen sie sich nicht ran. Der große Rauner faselt von Auschwitz, dass uns die Ermordung der Juden verpflichte, die Teilung aufrechtzuerhalten. (...) Was die Teilung Deutschlands mit Auschwitz zu tun hat, kann einem niemand erklären. Die schreien einen gleich an, wenn man danach fragt.“
tiltnonstop - 7. Jul, 20:16