Mittwoch, 8. Juli 2009

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"Es scheint dringend angezeigt, von dem Konzept Jugendkultur mit allen angegliederten Unter-Ideen wie Pop, Underground, Dissidenz durch symbolische Dissidenz, Tribalismus, Revolte, Abgrenzung etc. zunächst mal Abschied zu nehmen."

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Den Sozialismus hat es nie gegeben. Das war eine Idee im Hinterkopf von Intellektuellen. Als Realität war es die Kolonisierung der eigenen Bevölkerung.

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Auf der Intensivstation, als ich noch künstlich ernährt wurde, dachte ich oft an eine Stelle bei Ernst Jünger. Da heißt es ungefähr: In einer Situation wie der Somme-Schlacht war der Angriff so etwas wie eine Erholung, ein geselliger Akt. Auch die Intensivstation ist Materialschlacht. Man hat das Bedürfnis, aus der Abhängigkeit von Apparaten herauszukommen, einen Drang nach blinder Aktion.

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Wir möchten nicht Meinungsjournalismus in dem Sinne treiben, daß am Ende eines Beitrags, einer Reportage oder eines Essays, dem Leser erklärt wird, was er jetzt über diese Sache zu denken habe. Diese Art von Pädagogik grassiert im deutschen Journalismus förmlich. Die Einteilung der Welt in goodies und baddies ist eine sonderbare und manchmal etwas dümmliche Leidenschaft. Sie führt zwangsläufig zur Unterschätzung des Lesers. Im Fernsehen ist diese Enteignung vom eigenen Urteil am prägnantesten. Man wird immer von irgendwelchen Moderatoren, Kommentatoren und Seelsorgern bei der Hand genommen. Mich erbittert das. Zumindest wir, also die Leute, die diese Zeitschrift machen, haben das satt.

Der deutsche Journalismus neigt, wie gesagt, zur Emehurigsdiktatur. Diese Erziehungsdiktatur ist mir absolut verhaßt. Wir brauchen diesen Fernsehonkel nicht, der uns sagt, was wir zu denken haben. Ich glaube, daß es eine kritische Zahl von Leuten gibt, denen das nicht länger zugemutet werden kann. Den ewig hilfebedürftigen Leser, diesen kulturellen Sozialfall, halte ich für ein Phantom, das hauptsächlich in Funkhäusern und Konzernetagen herumgeistert. Ich glaube, daß diese ganze Rhetorik nach unten, diese ganze Rhetorik über das blöde Publikum, die bei Programmdirektoren, bei Marketingleuten verbreitet ist, einfach nicht stimmt. Etwas wirklich Begründetes wird sich darüber erst sagen lassen, wenn man es einmal umgekehrt versucht.

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Das satirische Talent stellt sich hier ganz in den Dienst der Sache, und die ist ernst. Sie heißt Anprangerung von Verrat: Verrat an Ideen, Verrat an dem, was Fischer einmal heilig war und richtig schien, so wahr wie einst bei Commandante Ché Guevara. Der ordentliche deutsche Linke bleibt auf seinem Standpunkt, bis das "Essen auf Rädern" kommt.

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Loke Mernizka weiß, daß er auf einem langen Marsch ist. Er wird, sagt er, den Sieg des Sozialismus nicht mehr erleben. Ein Arzt im Sanatorium zu Riga hat so mit einer Altersprognose für Loke Mernizka unabsichtlich eine defätistische Rechnung gelegt: Der westdeutsche Genosse könne gut und gern 100 Jahre alt werden..

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Jetzt allerdings wird es nicht mehr lange dauern, bis er bei einem solchen völlig unverbindlichen Besuch zufällig ein Mädchen entdeckt, in das er sich ganz gegen seine sonstige Art verliebt, obwohl ihm sein Verstand sagt, daß er verheiratet und sie eine Nutte ist. Er setzt sich zu ihr, und das Gespräch kommt bald irgendwie auf die Frage, warum sie denn überhaupt so etwas mache und ob er sie nicht hier herausholen könne. Bevor er sie endlich bittet, ihn zu lieben, wird er nicht versäumt haben, sich zu erkundigen, was sie für sein mühsam erspartes Geld zu bieten bereit ist (Französisch total, Analverkehr?).

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